Unter dem Leitthema „Von der Innovation zur Praxis" diskutieren Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen bei diesem zentralen Branchentreff über die aktuelle Situation und Zukunftsperspektiven der tiefen Erdwärmenutzung in Norddeutschland. Veranstalter der Tagung waren die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das LIAG-Institut für Angewandte Geophysik, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft von Stadt und Region Hannover, hannoverimpuls, sowie die Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für nachhaltige Energieträger, Mobilität und Kohlenstoffkreisläufe (DGMK).
Niedersachsen mit großem geothermischem Potenzial
„Niedersachsen gehört zu den Bundesländern mit dem größten geothermischen Potenzial. Wenn wir die Wärmewende ernst meinen, müssen wir diese Ressource jetzt systematisch erschließen", betonte Carsten Mühlenmeier, Präsident des LBEG, bei der Eröffnung der Tagung. „Als Landesbehörde stellen wir die geologischen Datengrundlagen bereit und gestalten Genehmigungsverfahren so, dass Vorhaben schneller in die Umsetzung kommen – im engen Schulterschluss mit Bund, Kommunen und Industrie", so Mühlenmeier.
Forschung, Daten und Anwendung zusammenbringen
„Die Norddeutsche Geothermietagung bringt Wissenschaft mit Energieversorgern und Politik zusammen: Das ist wichtig, um neueste Erkenntnisse durch Forschungsergebnisse aus Projekten in diesem Bereich direkt an die Anwendungstellen und Entscheidungsträger zu vermitteln“, erklärt Prof. Dr. Inga Moeck, Forschungsabteilungsleiterin am LIAG. „Geothermie als Energie ist wichtig für Deutschland, sie steht kontinuierlich zur Verfügung.“
Das LIAG unterstützt die Weiterentwicklung der Geothermie nicht nur durch Forschung, sondern auch durch die Bereitstellung geowissenschaftlicher Informationen für Planung und Praxis. Mit dem Geothermischen Informationssystem GeotIS stellt das Institut eine zentrale digitale Informationsplattform mit Forschungsdaten zur Verfügung, die Karten zur geothermischen Nutzung des Untergrundes in Deutschland zugänglich macht. Damit trägt die Forschung am LIAG gemeinsam mit Forschungspartnern wie die Universität Göttingen dazu bei, Potenziale besser einzuschätzen und geothermische Projekte datenbasiert vorzubereiten.
Tiefe Geothermie als Baustein der kommunalen Wärmewende
Rund die Hälfte des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfällt auf Wärme. Da dieser Bedarf noch immer überwiegend aus fossilen Quellen gedeckt wird, kann die tiefe Geothermie einen entscheidenden Beitrag leisten, um Kommunen, Stadtwerke und Industrie wetter- und saisonunabhängig mit Erdwärme zu versorgen.
Gerade Norddeutschland kommt beim Gelingen der Wärmewende eine Schlüsselrolle zu. Der tiefe Untergrund des Norddeutschen Beckens bietet gute geologische Voraussetzungen für eine grundlastfähige, klimafreundliche Wärmeversorgung. In zahlreichen Städten und Gemeinden bestehen bereits gewachsene Fernwärmenetze, die in den kommenden Jahren auf erneuerbare Quellen umgestellt werden müssen. Gleichzeitig steigt der Handlungsdruck für Kommunen durch das Wärmeplanungsgesetz und durch den industriellen Wärmebedarf.
Von neuen Bohrmethoden bis zur kommunalen Wärmeplanung
Das Tagungsprogramm spannte den Bogen von zukunftsweisenden Technologien bis zu erfolgreich realisierten Projekten. Vorgestellt wurden unter anderem neue Bohrmethoden sowie KI-gestützte Prognosewerkzeuge für Planung und Betrieb.
Ein weiteres Thema war die bislang wenig beachtete geothermische Erschließung von Salzstöcken. Dazu gab es Berichte zu aktuellen Projekten aus Niedersachsen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen sowie Informationen zu neuen Förderinstrumenten, etwa zur „Explorationsinitiative Geothermie“ des Bundes und zum Geothermiebeschleunigungsgesetz.
Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die konkreten kommunalen Herausforderungen: die Wirtschaftlichkeit von Anlagen, die Integration in die kommunale Wärmeplanung und die Rolle einer transparenten Öffentlichkeitsarbeit. Diese Aspekte wurden in einer Podiumsdiskussion vertieft.
Lithium aus Thermalwässern: neue Wertschöpfungsperspektiven
Einen besonderen Akzent setzte am zweiten Veranstaltungstag ein Side Event zur Lithium-Extraktion aus Thermalwässern, bei dem Forschungseinrichtungen und Beteiligte aus der Industrie aktuelle Ergebnisse des Verbundprojekts „Li+Fluids“ präsentierten. In dem Vorhaben wurden im Norddeutschen Becken die Nutzungspotenziale von hydrothermalen Fluiden zur Gewinnung von Lithium untersucht – ein Thema von stetig wachsender strategischer Bedeutung, dass die Tiefe Geothermie um eine wertvolle Rohstoffkomponente erweitert und neue Wertschöpfungsperspektiven für die Region eröffnet.
Originale Pressemitteilung: Webseite der BGR.
Weiterführende Informationen:
www.norddeutsche-geothermietagung.de
Pressekontakt:
Greta Clasen
presse(at)liag-institut.de
0511 643 2066


