Das Interreg-Nordsee-Projekt Blue Transition untersuchte interdisziplinär, wie Regionen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Schweden langfristig widerstandsfähiger gegenüber Trockenperioden, veränderten Niederschlagsmustern, Versalzung und weiteren Folgen des Klimawandels im Nordseeraum werden können. Dafür wurden naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu Grundwasser, Böden und Landnutzung mit Fragen der praktischen Umsetzung und Governance verbunden.
Unterschiedliche Regionen entwickeln passende Lösungen
Die 16 Pilotregionen zeigen, wie stark Lösungsansätze von den jeweiligen Bedingungen vor Ort abhängen. In Frankreich und Flandern standen beispielsweise die gemeinsame Bewirtschaftung von Wasserressourcen und die Bedürfnisse von Ökosystemen im Mittelpunkt. In Südschweden und Dänemark wurden neue Ansätze für Grundwasser- und städtisches Wassermanagement untersucht. In Deutschland und den Niederlanden beschäftigten sich Pilotregionen unter anderem mit der Verbesserung von Bodengesundheit, Nitratbelastung und der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Wissenschaft.
Über die unterschiedlichen Pilotansätze hinweg zeigen sich zentrale Erfolgsfaktoren für die erfolgreiche Umsetzung dieser Stellschrauben:
- Interdisziplinarität: Wissenschaftliche, politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven müssen zusammengedacht werden.
- Kooperation: Langfristige Zusammenarbeit, Wissensaustausch und die Einbindung relevanter Akteurinnen und Akteure schaffen die Grundlage für tragfähige Lösungen.
- Belastbare Datenbasis: Kontinuierliches Monitoring und qualitativ hochwertige wissenschaftliche Daten ermöglichen fundierte Entscheidungen.
- Übertragbarkeit und Verstetigung: Erfolgreiche Ansätze müssen auf andere Regionen und größere Maßstäbe übertragen werden können. Dafür braucht es langfristige Kooperationen, verlässliche politische und finanzielle Rahmenbedingungen.
„In 16 Pilotregionen konnten wir zeigen, dass es viele konkrete Wege zu einem klimaresilienteren Wasser- und Bodenmanagement gibt. Entscheidend sind wissenschaftliches Systemverständnis, langfristiges Monitoring und belastbare Daten. Erst im Zusammenspiel mit Praxis und Politik entstehen Lösungen, die dauerhaft wirken und sich auf andere Regionen übertragen lassen“, sagt Prof. Dr. Mike Müller-Petke, Projektleiter von Blue Transition und Forschungsabteilungsleiter am LIAG-Institut für Angewandte Geophysik.
Lösungswege aus deutschen Pilotregionen in Niedersachsen und Bremen
Auch die deutschen Pilotgebiete zeigen, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Strategien für ein klimaresilienteres Wasser- und Bodenmanagement übersetzt werden können.
Im Pilot HUMUS auf landwirtschaftlichen Flächen in Niedersachsen zeigen Modellierungen, dass eine regelmäßige Vertiefung der Pflugfurche in Kombination mit dauerhafter Begrünung durch verschiedene Zwischenfrüchte den Humusgehalt auch auf leichten Böden erhöhen kann. Damit lässt sich dem klimabedingten Rückgang von Humus und Wasserhaltekapazität entgegenwirken. Gleichzeitig müssen mögliche Auswirkungen auf die Nitratauswaschung berücksichtigt werden.
Im Landkreis Uelzen zeigt der Pilot WaterFarmers, wie eine koordinierte großräumige Bewirtschaftung von Brunnen dazu beitragen kann, den Wasserbedarf für die landwirtschaftliche Bewässerung mit dem Schutz grundwasserabhängiger Naturräume in Einklang zu bringen.
Im Pilot Geest Adaptation im Gnarrenburger Moor zeigen numerische Grundwassermodelle, mit welchen Maßnahmen ein besiedeltes und landwirtschaftlich genutztes Moor schrittweise wiedervernässt werden kann. Im Bereich des Wasserwerks Minstedt in der Bederkesaer Geest halfen geophysikalische Messungen zudem dabei, die Lage der Süß-/Salzwassergrenze im Untergrund zu bestimmen und damit die Grundlage für eine nachhaltigere Planung zukünftiger Brunnen zu verbessern.
Auf der Luneplate im Süden Bremerhavens zeigen geophysikalische Messungen und numerische Simulationen, wie eine gezielte Grundwasseranreicherung dazu beitragen kann, die klimabedingte Versalzung des Grundwassers im Untergrund zu stabilisieren.
An den deutschen Pilotaktivitäten sind neben dem LIAG-Institut für Angewandte Geophysik die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), der Geologische Dienst für Bremen (GDfB), der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) sowie der Dachverband Feldberegnung Uelzen beteiligt.
Zusammenarbeit schafft langfristige Wirkung
Ein wesentliches Ergebnis von Blue Transition ist der Wert des internationalen und interdisziplinären Austauschs. Erfolgreiche Anpassung entsteht nicht allein durch technische Lösungen, sondern durch das Zusammenspiel von wissenschaftlichem Systemverständnis, lokalen Erfahrungen, passenden politischen Rahmenbedingungen und langfristiger Zusammenarbeit.
Dabei brauchen Regionen ausreichend Spielraum, um Lösungen an ihre jeweiligen Bedingungen anzupassen und neue Ansätze zu erproben. Gleichzeitig kann der Austausch zwischen Regionen und die Verbindung lokaler Erfahrungen mit europäischen Zielen dazu beitragen, erfolgreiche Ansätze weiterzuentwickeln und ihre Wirkung zu vergrößern.
„Klimaresilienz entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch langfristige länderübergreifende Zusammenarbeit und gemeinsames Lernen“, so Müller-Petke.
Hintergrund
In Blue Transition arbeiteten 23 Partnerorganisationen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Schweden zusammen. Die Projektergebnisse wurden im Mai 2026 bei einem europäischen Policy Day in Brüssel mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Forschung und Praxis diskutiert.
Der Abschlussbericht „Blue Transition – How to make my region climate resilient“ (Englisch) fasst die Ergebnisse der 16 Pilotregionen und die daraus abgeleiteten Empfehlungen zusammen. Zum Download: Projektseite Blue Transition
Videos auf YouTube: www.youtube.com/@bluetransition
Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. Mike Müller-Petke
LIAG-Institut für Angewandte Geophysik
Telefon: 0511-643 3253
E-Mail: Mike.Mueller-Petke(at)liag-institut.de




