Was passiert mit dem Grundwasser, wenn ein Staudamm in einem Kriegsgebiet zerstört wird – und das größte Kernkraftwerk Europas weiter Kühlwasser benötigt? Dieser Frage geht ein neues interdisziplinäres Forschungsprojekt koordiniert vom Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF) und unter Beteiligung des LIAG-Instituts für Angewandte Geophysik und des Leibniz-Instituts für Globale und Regionale Studien nach. Im Fokus: die Folgen der Zerstörung des Kachovka-Staudamms für die Wasserversorgung, Umwelt und Sicherheit im Süden der Ukraine.
„Underground Risks: Ground water depletion after the destruction of the Kakhovka dam as an underappreciated legacy of the Ukraine‑Russia War“ – so lautet der Titel des neuen Projekts, das im August 2025 startet. Durch die interdisziplinären Partner aus Deutschland und weiteren Partnern in der Ukraine, etwa vom M.P. Semenenko-Institut für Geochemie, Mineralogie und Erzbildung der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Das Projekt bringt so Friedens- und Konfliktforschung mit geophysikalischer Expertise zusammen.
Seit der Zerstörung des Kakhovka-Damms fehlt das Oberflächenwasser zur Bewässerung und Kühlung. Viele Regionen greifen zunehmend auf Grundwasser zurück – auch das AKW Saporischschja, das früher mit Wasser aus dem Damm gekühlt wurde. Doch das Grundwasser in der Region ist knapp, teils versalzen und schwer zugänglich. Die Übernutzung droht langfristig die Wasserversorgung für Mensch und Natur zu gefährden, in Küstengebieten kann es zu Salzwasserintrusionen kommen. Wenn der Grundwasserspiegel sinkt hat dies Folgen für Biodiversität und Klimaresilienz.
Die Forschungsallianz läuft rund ein Jahr und wird gefördert durch das GESIS-Netzwerk.