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Karriere als Frau in den Geowissenschaften – Sei neugierig, sei mutig, sei wütend!

Zum Internationalen Weltfrauentag 2026 rückt das LIAG-Institut für Angewandte Geophysik in Hannover Frauen in den Mittelpunkt, die die Forschung in den Geowissenschaften und der Geophysik prägen – heute und in der Zukunft. Eine von ihnen ist Forschungsabteilungsleiterin und Geologin Prof. Dr. Inga Moeck.

Ein Interview mit Prof. Dr. Inga Moeck

Prof. Dr. Inga Moeck ist Forschungsabteilungsleiterin am LIAG-Institut für Angewandte Geophysik, Professorin für Angewandte Geothermik und Geohydraulik an der Universität Göttingen. Die zweifache Mutter hat eine beeindruckende Karriere in der Wissenschaft gemacht, weltweit geforscht und mehrere Jahre in Kanada gelebt und gelehrt. Im Interview spricht sie über ihren Werdegang, Herausforderungen für Frauen in der Wissenschaft und gibt wertvolle Tipps.

Warum haben Sie sich für eine Karriere in der Forschung entschieden?

Zunächst faszinierte mich die Ägyptologie, doch ein Geologe auf einer Exkursion im Tal der Könige hat mich für die Geologie begeistert. Mir war schnell klar: Forschung ist mein Weg, aber innerhalb der Geowissenschaften. Meine Schwerpunkte entwickelten sich von der 3D-Modellierung von Grundwasserleitern über meine Doktorarbeit bis hin zur Geothermie in meiner Habilitation. Geothermie ist ein nachhaltiges Zukunftsthema der Erneuerbaren Energien – und genau das begeistert mich bis heute. Ich wollte mit meiner Forschung etwas bewirken.

Haben Sie gezielt eine Führungsposition angestrebt?

Ja. Als ich 1990 Geologie an der TU Berlin studierte, gab es viele Studentinnen, aber kaum Professorinnen. Ich fragte mich: Warum? Wir Frauen können das genauso gut – oder besser. Ich fand die Art und Weise, wie manche Männer lehrten, langweilig und unverständlich. Es braucht Vorbilder und Motivatorinnen, die zeigen, dass Karriere und Familie vereinbar sind. Mir macht es zudem Spaß, Teams zu führen und Projekte voranzubringen.

Wie können Mädchen und junge Frauen schon früh gefördert werden?

Selbstbewusstsein ist der Schlüssel. Ich bin mit einer selbstbewussten Mutter und Großmutter aufgewachsen, die mir das vermittelt haben. Mädchen dürfen nicht in brave Rollenbilder gezwängt werden. Sei neugierig! Sei mutig! Sei auch mal wütend! Gerade beim Gender Pay Gap oder fehlenden Beförderungen haben Frauen allen Grund, sich zu wehren. Gleichzeitig ist es von vielen Frauen auch eine Stärke, bedacht zu sein und zu reflektieren. Das ist gut und wichtig. Ich bekomme aber häufig mit, dass Selbstzweifel vorkommen. Frauen stehen sich durch ihre Ängste manchmal selbst im Weg. Mein Rat: Einfach machen – nicht zu viel nachdenken.

Welche strukturellen Veränderungen sind notwendig?

Es gilt zunächst, die alten Strukturen aufzubrechen und Rollenbildern entgegen zu wirken, eben indem Frauen, die Karriere und Familie vereinen sichtbarer werden und sich gegenseitig aktiv unterstützen. Die Gleichstellung verfolgt ja bereits das Ziel, die Besetzung von Frauen in Führungspositionen zu fördern. Ich sehe das als essenziell. Wenn ich nur einige Punkte nennen kann:

  • Auswahlkommissionen zur Besetzung von Frauen in Führungspositionen müssen mindestens zur Hälfte mit Frauen besetzt sein. Wenn es nach mir ginge, würde eine Frau immer, sofern sie fachlich geeignet ist, bevorzugt eingestellt werden.
  • Wissenschaftliche Leistung muss fair bewertet werden, trotz Elternzeit: Frauen, die Kinder erziehen, können nicht denselben Output wie Männer liefern. Ihre Arbeit sollte entsprechend gewichtet werden. Oft wird immer noch nach dem h-Faktor, also der Anzahl an veröffentlichten Publikationen, gewichtet. Das geht nicht, die Anzahl nimmt durch Kinder ja zweifelsohne ab. Natürlich müssten diese so gesehen den zehnfach, nein sogar hundertfach aufwerten.
  • Damit einher geht, dass Kompetenzen wie Netzwerkpflege, Teamzusammenhalt und Organisation – gerade Mütter beweisen hier ihr Talent tagtäglich im Management des Alltags – viel mehr anerkannt werden müssen.
  • Flexible Arbeitsbedingungen und Betreuungsmöglichkeiten für Mütter sind essenziell, um sie für den Wiedereinstieg in das Arbeitsleben und sogar in Führungspositionen zu motivieren.
  • Frauen verhandeln oft weniger als Männer um Gehalt. Es geht vielen Frauen meist mehr um die Sache. Doch spätestens in der Rente kommt plötzlich die Erkenntnis, gerade wenn durch Familie nicht Vollzeit gearbeitet werden konnte. Hier muss proaktiv auf die Frauen für mehr Gerechtigkeit zugegangen werden.

Wir brauchen und möchten doch auch Nachwuchs aus akademischen Kreisen. Dann müssen die Frauen mit solchen Maßnahmen ermutigt werden!

Wie haben Sie es geschafft, Karriere und Familie zu vereinen?

Eine prägende Erfahrung hatte ich in Afrika: Dort stehen Frauen mitten im Leben, nehmen ihre Kinder überall mit, und sei es bei der Feldarbeit. In Deutschland ziehen sich viele Mütter zurück, werden ängstlicher, bleiben zu Hause. Ich wollte es anders machen. Mein Feld war nur die Wissenschaft. Während meiner Promotion bekam ich 2000 und 2002 meine Kinder – und brachte sie einfach mit ins Büro. Ich konnte dort stillen und wickeln. Auch in Kanada während meiner Lehre an der dortigen Universität in Edmonton nahm ich sie mit, fand schnell ein Netzwerk von Frauen, die mich in der Betreuung unterstützten. Es war toll zu merken, wie Frauen sich auch gegenseitig unterstützen.

Was raten Sie angehenden Wissenschaftlerinnen und Müttern?

Es muss nicht alles perfekt sein. Ich bin nicht perfekt und sicher habe ich auch nicht alles perfekt gemacht – meine Kinder haben aber viel gelernt, selbst durch den Umzug in das Ausland. Heute sind sie glücklich über die Sprach- und interkulturelle Kompetenz, die vielen internationalen Freundschaften, die sie damals erwerben konnten. Mütter sollten sich auf das konzentrieren, was sie wollen. Sind sie glücklich, profitieren auch die Kinder. Ich rate zudem dazu, schnell wieder ins Berufsleben einzusteigen. Lasst euch auch nicht einschüchtern von Männern in höheren Positionen oder von Konflikten. Steht für euch ein – ihr schafft das!