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Lössarchive im Kaschmir-Tal: LION-II identifiziert Probenmaterial für bis zu 300.000 Jahre Klimageschichte

Neue Löss-Paläobodensektion nahe Mattan in Indien liefert ein außergewöhnliches Archiv zur Rekonstruktion von Niederschlag und Wasserverfügbarkeit im späten Quartär.

Feldkampagne im klimatisch sensiblen Kaschmir-Tal

Von September bis Oktober 2025 war das LION-II-Projektteam im Kaschmir-Tal im Norden Indiens im Einsatz. Die Region gilt als klimatisch und hydrologisch besonders sensibel, da hier verschiedene Klimasysteme aufeinandertreffen und sich direkt auf Wasserverfügbarkeit und Landschaftsentwicklung auswirken.

Die Feldarbeiten brachten alle Projektpartner sowie lokale Kooperationspartner zusammen. Ziel der Kampagne war es, Löss-Paläobodensequenzen systematisch zu erfassen und neue Einblicke in die Klimaentwicklung während des Quartärs zu gewinnen.

Niederschlagsmuster und Grundwasser im Fokus

Das Hauptziel der Kampagne bestand darin, Niederschlagsmuster in Nordindien sowie ihre Veränderungen im Laufe der Zeit zu verstehen – und welche Auswirkungen diese Veränderungen auf das Grundwasser haben könnten. 

Feldbeobachtungen und stratigraphische Beschreibungen der untersuchten Löss-Paläobodensequenzen zeigen, dass innerhalb der Profile mehrere gut entwickelte fossile Böden auftreten. Diese Paläoböden sind durch dunkelbraune bis rötliche Farbtöne gekennzeichnet und deuten auf Bodenbildungsphasen unter warmen und feuchten interglazialen Bedingungen hin.

Solche Merkmale liefern wertvolle Hinweise für die Rekonstruktion früherer Niederschlagsverhältnisse und Veränderungen der lokalen Wasserverfügbarkeit – ein zentrales Thema, um langfristige Risiken und Chancen für Wasserressourcen in der Region besser einschätzen zu können.

Neue Löss-Paläobodensektion bei Mattan als Schlüsselarchiv

Ein besonders vielversprechendes Ergebnis der Kampagne ist die Identifizierung und Beprobung einer neuen Löss-Paläobodensektion in der Nähe von Mattan. Erste Beobachtungen und pedostratigraphische Auswertungen deuten darauf hin, dass diese Sedimentabfolge ein nahezu kontinuierliches Archiv bis vor etwa 300.000 Jahren bewahrt.

Damit eröffnet sich die außergewöhnliche Möglichkeit, langfristige Klimaschwankungen über mehrere glazial-interglaziale Zyklen hinweg zu untersuchen. Die Kombination aus Lösslagen und dazwischen entwickelten Paläoböden bietet ein hochsensibles Archiv für Veränderungen in Niederschlag, Bodenbildungsprozessen und Wasserverfügbarkeit im späten Quartär.

Beitrag zu den Zielen vom Forschungsprojekt LION-II

Die erfolgreiche Feldkampagne im Kaschmir-Tal ist ein wichtiger Schritt zur Erreichung der LION-II-Projektziele:

  • die Rekonstruktion regionaler Klima- und Niederschlagsvariabilität im Quartär und

  • ein besseres Verständnis der Mechanismen, die Niederschlagsmuster im erweiterten eurasischen Raum steuern.

Die neu erhobenen Daten aus Löss-Paläobodensequenzen sollen künftig mit hochauflösenden Proxydaten und modernen Datierungsmethoden kombiniert werden. So entsteht ein belastbares Bild der Klimaentwicklung, das auch für die Bewertung heutiger und zukünftiger Veränderungen von großer Bedeutung ist. LION-II wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Partner sind das LIAG, das durch Prof. Dr. Sumiko Tsukamoto und Dr. Christian Zeeden die Projektleitung inne hat mit Unterstützung durch Zaniar Amiri, die Universität Bamberg und die Universität Srinagar in Indien.