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Wissens- und Technologietransfer: LIAG und terratec bringen Semi-Airborne-Elektromagnetik in die Praxis

Forschende am LIAG-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) entwickeln die geophysikalische Methode Semi-Airborne-Elektromagnetik nicht nur weiter, sondern setzten sie bereits praktisch ein. Im vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten deutsch-afrikanischen Projekt SeeKaquA erkundet das LIAG gemeinsam mit mehreren Kooperationspartnern tiefe Grundwassersysteme in Namibia und Sambia. Gleichzeitig geben die Forschenden ihre Erfahrungen aus Messkampagnen, Datenprozessierung und Auswertung gezielt an terratec Geophysical Services (terratec) weiter, damit die Methode künftig breiter industriell genutzt werden kann.

Workshop in Hannover: Austausch über erste Daten und Planung zukünftiger Kampagnen

Dr. Wiebke Mörbe und Dr. Raphael Rochlitz, Geophysik-Forschende am LIAG, luden daher ihre Projektpartner Alex Wilhelm und David-John Adams von terratec im Frühjahr an den Hauptstandort des LIAG in Hannover ein. Im Fokus: Die Organisation weiterer Messkampagnen sowie die Diskussion über die Datenauswertung bisheriger Ergebnisse – von der Erhebung, der Datenprozessierung bis zur Inversion. Ein essenzieller Austausch: Das Unternehmen terratec plant die Methode in diesem Jahr umfassend in sein Portfolio aufzunehmen.

Das Team diskutierte dazu die Ergebnisse aus der geophysikalischen Mess- und hydrogeologischen Probenahmekampagne im Cuvelai–Etosha-Becken (CEB) im Norden Namibias. In drei Regionen wurden über mehrere Kilometer Messprofile erfasst und Erkenntnisse über den Untergrund bis in Tiefen von rund 800 Metern und damit über die Verbreitung des dortigen Grundwasserleiters gewonnen.

„Vor allem Unternehmen wie terratec, die wir von Anfang bis Ende mitnehmen, können zu wichtigen Themen wie der Erkundung von Grundwasserressourcen in trockenen Regionen wertvolle Beiträge leisten. Als Forschungsinstitut wollen wir dazu beitragen, dass geophysikalische Methoden nicht nur entwickelt, sondern auch angewendet werden.“ Dr. Raphael Rochlitz, Projektleiter von SeeKaquA und Geophysiker am LIAG.

Auswertung mit dem Open-Source-Tool custEM

Gerade bei Prozessierung und Inversion sei laut Projektteam der direkte fachliche Austausch besonders wertvoll, weil sich viele Arbeitsschritte erst im praktischen Zusammenhang einer realen Messkampagne vollständig erschließen. Ein wichtiger Baustein dabei ist das Verständnis für die Auswertung der Daten mit dem Open-Source-Tool custEM. Die am LIAG von Rochlitz entwickelte frei zugängliche Plattform wurde anhand der erhobenen Daten aus Namibia gemeinsam genutzt, das Wissen darüber vertieft und Schwierigkeiten diskutiert.

David-John Adams, der für terratec in Namibia arbeitet, unterstreicht das: „Am herausforderndsten ist es, alle Schritte von der Datenerfassung über die Datenprozessierung bis hin zur Inversion zu verstehen.“ Alex Wilhelm, Geophysiker bei terratec in Deutschland, pflichtet ihm bei. Doch auch das Messsystem, für das das Team derzeit im Projekt einen neuen „Bird“ entwickelt, der von der Drohne geschleppt werden wird, ist ein Kernpunkt: „Gleichzeitig sprechen wir immer über Hürden und die Weiterentwicklung des Messsystems, nicht zuletzt wird die Sensorik in einer Umgebung unter extremen Bedingungen angewendet. Dies ist essenziell für zukünftige Messkampagnen, die wir später für unterschiedliche Fragestellungen anbieten möchten.“

Transfer von Anfang bis Ende mitdenken

Das am LIAG aufgebaute Wissen fließt neben SeeKaquA auch in weitere Vorhaben. Ein Beispiel ist das Projekt OGER zur optimierten Grundwassererkundung bei Hamburg, in dem beide Institutionen ebenfalls Partner sind.

„In einer geophysikalischen Erkundungsmethode gibt es immer Bereiche – sowohl technisch als auch in der Auswertung –, die an Industrie und Wirtschaft weitergegeben werden können. Das ist ein großes Ziel, das wir verfolgen“, erklärt Rochlitz. Parallel werde an verschiedenen Aspekten weitergeforscht: „Gleichzeitig gibt es immer Komponenten oder Durchführungsstrategien, die kontinuierlich weiter im Zuge der Forschung verbessert werden müssen – meist geht es um Datenqualität, Datenauflösung und realistische, umsetzbare Logistikabläufe.“

Messkampagne im Juni 2026 geplant

SeeKaquA zeigt beispielhaft, wie angewandte geophysikalische Forschung nicht nur neue Erkenntnisse liefert, sondern zugleich den Transfer in die Praxis stärkt. Vom 8. bis 27. Juni 2026 ist eine weitere Messkampagne im südlichen Sambia vorgesehen.

Hintergrundinformation

Das deutsch-afrikanische Projekt steht unter Leitung des LIAG. Zum Konsortium gehören die Universität von Namibia, die Universität von Sambia, das SADC Groundwater Management Institute, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie terratec Geophysical Services. Das BMFTR fördert das Projekt mit 1,3 Millionen Euro.